Ekin Fil
Maps
LP HMS 048


Artnoir

September 2018

Einen Musikstil soweit zu entschleunigen und dem Nullpunkt anzunähern, dass er fast nicht mehr erkennbar ist – keine einfache Aufgabe. Besonders, wenn man damit eine gewisse Distanz und Aufforderung an den Hörer macht. Denn ein Album wie "Maps" läuft nicht einfach so nebenher, es muss konzentriert aufgenommen und verarbeitet werden. Zwischen rauschenden Synthiespuren und entrücktem Gesang findet man nämlich die geisterhafte Schönheit von Ekin Fils Klängen, ehemals dem Dreampop zugehörend, schon lange aber weiter evolviert.

Die Musikerin aus Istanbul hat nach "Ghost Inside" nämlich ein Werk produziert, das sich immer wieder von der klaren Songstruktur entfernt und mit Liedern wie "At Dawn" oder "His Own" aus einzelnen Akkorden auf dem Klavier sanfte Landschaften kreiert. Durch diese ziehen Nebelschwaden und das Licht wirkt immer etwas dunkler als normal, trotzdem verspürt man eine wohlige Geborgenheit. Ohne viel Stimmeneinsatz und mit einzelnen Kompositionen, welche zauberhaft daherkommen (siehe "On The Move") gelingt es Ekin Fil aber ohne Probleme, die Stimmungen von Shoegaze und Pop in ihre Musik zu übertragen.

Einzelne Gitarren, ein Raum der selten von Bässen oder Beats eingenommen wird, und viel Hall zeichnen "Maps" aus. Ekin Fil ist eine Malerin mit Noten und versetzt den Hörer schnell in ihre eigene Kreation. Eine Welt, in der es weder widerliche Grenzen noch Fremdenhass gibt, sondern nur das gemeinsame Dasein auf körperloser Ebene. Melancholisch, aber immer geerdet. - Michael Bohli